Menu

Where is my Vote?

Zwei Wochen vor den Wahlen kehrte ich aus dem Iran zurück. In der letzten Nacht fiel mir etwas Ungewöhnliches auf: Ich sah junge Leute auf der Strasse Flugblätter verteilen. Warum ungewöhnlich? Nun ja, im Iran ist es eigentlich nicht üblich politische Statements zu geben (in der Öffentlichkeit ist das völlig unüblich). Zunächst fiel mir besonders die auf den Flyern sehr präsente Farbe grün auf. Schliesslich griff ich auch nach einem dieser Flugblätter. "Für Moussavi" wurde darauf reklamiert. Ich hatte Monate vorher ein Interview mit Moussavi im deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gelesen, indem er mich nicht besonders positiv berührt hatte. Eigentlich fand ich ihn keinen Deut besser als AN.
Was fanden denn besonders die jungen Leute an diesem Moussavi? Er sollte wohl zusammen mit dem Mullah Karroubi das kleinere Übel repräsentieren. Dies waren die Kandidaten auf der einen Seite, auf der anderen Seite standen die Hardliner AN und Rezai.

Komischerweiser hatte dieser letzte Abend in Tehran etwas sehr Besonderes, das zwar nicht zu greifen oder zu beschreiben, aber dennoch allgegenwärtig war: Ich konnte eine besondere Aufbruchstimmung spüren. Diese besondere Situation mit Ihrer sehr speziellen Stimmung in der Luft wurde mir erst später bewusst. Ich fuhr an diesem Abend mit meinen Onkel spätabends durch die Strassen von Teheran. Unser Soundtrack war die Filmmusik zu Alexis Sorbas. Mein Onkel zeigte mir die revolutionären Pfade von vor 30 Jahren, wir assen Eis und lachten, als wir einen Transvestiten auf der Strasse sahen. Wie er wohl in dieser Diktatur klarkommt?

 

Empfehlung spinfactory.de